WIR UND DIE TOTEN REITEN SCHNELL

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WIR UND DIE TOTEN REITEN SCHNELL
Ein Ritt über die Abgründe des romantischen Melodrams

Performance mit
Caspar Dechmann, Klavier
Christian Seiler, Sprache

Das Melodram ist eine romantische Affäre zwischen Musik und Sprache. 

Es erzählt uns Geschichten über Furcht und Sehnsucht, Zauber und Schrecken unserer Tag- und Nachtträume. Mal gross in Mode, dann eher wieder verachtet, war das Genre immer ein experimentelles, in dem die Komponisten neue Ausdrucksmöglichkeiten suchten.  Wenn der Gesang versagt, weil er zu gewöhnlich oder auch zu schön wäre, öffnet das Melodram auch in der Oper das Tor zu etwas Neuem, Unaussprechlichem, schwer Greifbarem, Unheimlichem. In seiner Tendenz zum Effekt, zum emotionalen Ausnahmezustand ist es auch ein Vorläufer der Musik für Filme, die zuweilen ebenso als Melodram bezeichnet werden.  

Doch noch interessanter als das Unheimliche ist heute, wo Mystery und Horror allgegenwärtig und fast banal geworden sind, das Experimentelle, das Rätselhafte, die offene Form: das Moderne. Darum interpretieren Christian Seiler und Caspar Dechmann die Werke nicht nur sprechend und musizierend, sondern auch mit einer körperlichen Performance, welche die avantgardistische Kraft dieser Werke in unserer Zeit noch spürbarer macht. 

Mit Werken von Friedrich Nietzsche/Joseph von EichendorffRobert Schumann/Friedrich HebbelCarl Reinecke/Heinrich HeineFranz Liszt/Gottfried August BürgerArnold Winternitz/Gustav Meyrink und anderen. 


Beratung / Mitarbeit

Szenische Aktion: Andrej Togni, Kostüme: Isabel Schumacher, Maske: Marion Loosli-Backhaus, Foto: Sava Hlavacek

Eine erste Aufführung fand am Freitag, 31. März 202
im Atelier für Kunst und Philosophie in Zürich statt.

Publikumsechos

Die vorbehaltlos überzeugende Darbietung romantischer Melodramen lebte von der differenzierten, bis ins gestische Detail klug einstudierten Sprachgestaltung und einem unaufdringlichen, je nach dem witzigen, ironischen oder abgründig ernsten In-Szene-Setzen des Schauspielers Christian Seiler.  Das Zusammenspiel mit dem Pianisten Caspar Dechmann – auch er hat sich hör- und spürbar gekonnt und tief mit diesem nicht mehr allen Zuhörenden vertrauten Genre auseinandergesetzt – wirkte deshalb so gelungen, weil Klang- und Sprachereignisse aus einer erst einmal fernen Welt berührende Gegenwart wurden.

Dass die beiden sich von einem Regisseur (Andrej Togni) coachen liessen, Kostüme (Isabel Schumacher) und Maske ( Marion Loosli-Backhaus) stimmig einsetzten, trug wesentlich zum Gelingen der Performance bei.

Martin Kunz – Philosoph, Musiker, Autor und Leiter des Ateliers für Kunst und Philosophie, Zürich

 

Ein bewegendes gestisches Hin und Her zwischen Musik und Text, das im Publikum zärtliche, abgründige und aufwühlende Gefühle auslöst. Die eigens komponierten Klavierstücke vermögen in der Poesie zusätzlich dramatische Dimensionen zu erwecken, und die Texte scheinen die Musik auf präzise Weise zu kommentieren.

Marco Baschera – Romanist und Theaterwissenschaftler

 

Dieser engagierte, gehaltvolle und vergnügliche Melodram-Abend wird uns lange, lange in Erinnerung bleiben.

Schon das Programm war erlesen, überzeugend und reich an Entdeckungen. Wer kennt schon, beispielsweise, eine Komposition von Nietzsche? «Das zerbrochene Ringlein» war eine echte Trouvaille und markierte schon zu Beginn das Niveau des ganzen Abends.

Der Schauspieler Christian Seiler prägt die Aufführung durch eine «höhere Natürlichkeit». Sprecherisch war jedes Wort, oft jede Silbe, Teil eines organischen, vielarmigen Flusses. Vom Nebenbei über das sorgfältig Ausgestaltete bis zum grossen Ausbruch war alles von der gleichen Liebe beseelt und vom gleichen Können getragen.

Die Fülle verschiedener Klavierparts liegt bei Caspar Dechmann in besten Händen. Dechmann wird allen Stilen gerecht und bleibt den virtuosen Ansprüchen nichts schuldig, ohne sich jedoch in den Vordergrund zu spielen. Er war für Seiler mehr als ein stützender, nämlich ein bereichernder Partner.

Susanne Orlando – Galeristin und Kunsthändlerin
Antonino Orlando – Autor, Lektor und Kulturjournalist

 

Unter dem Titel «WIR UND DIE TOTEN REITEN SCHNELL – Ein Ritt über die Abgründe des romantischen Melodrams» zeigen der souverän mitwirkende, einfühlsame Pianist Caspar Dechmann und der hervorragend agierende Sprecher und Darsteller Christian Seiler einen überaus eindrücklichen Abend mit Werken von sehr selten zur Aufführung kommenden bekannten und kaum bekannten Melodramen mit einem – einen weiten Bogen ins 20. Jahrhundert spannenden – abschliessenden brillanten Zitatfeuerwerk als Hommage an einen berühmten Roman- und Filmhelden. Ein grossartiger und bewegender Abend. Unbedingt hingehen – es lohnt sich in jeder Hinsicht!

 Alexander Schiwow – Musiker, Pianist und Dozent für Filmmusik

 

Drei Video-Tonaufnahmen aus dem Sommer 2022:

Das zerbrochene Ringlein (Nietzsche/Eichendorff)

Ballade vom Haideknaben (Schumann/Hebbel)

Schelm von Bergen (Reinecke/Heine)

 

Nächste Auftritte:
Freitag, 22. März 2024, 20 Uhr
Garage Wetzikon, Bahnhofstrasse 24, 8620 Wetzikon
Eintritt: 25.- / 20.- Mitglieder, IV / 10.- Kulturlegi
https://www.garagewetzikon.ch/